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Powerline, Internet aus der Steckdose
Wer diesen Slogan liest ist geneigt zu meinen, Internet
aus der Strom-Steckdose ist vom Prinzip her gar nicht
mal so schlecht, kann man doch ohne großartige
Verkabelung in jedem Zimmer des Hauses oder der Wohnung
ins Internet.
Ein derartiger Gedanke stimmt und stimmt wieder nicht.
Hinter Powerline (als Strom aus der Steckdose) steckte
zwar der Gedanke der Energieversorger, Internet-Daten
über die Stromleitungen in die Häuser der
Kundenwohnungen zu bringen, doch von diesem Gedanken
mussten sich sämtliche Energieversorger wieder
verabschieden. Mit großem Elan begannen verschiedene
Energieversorger (u.a. E.ON, RWE, EnBW und MVV) nach
Ende des Telekom-Monopols
(1998), in den Powerline-Gedanken zu investieren.
Leider tauchten schon bald massive Probleme auf. Der
technische Trick bei Powerline sollte sein, einen hochfrequenten
Datenkanal auf die niederfrequenten Stromleitungen zu
bringen. Während die Elektrizität auf der
standardisierten Frequenz von 50 Hz durch die Kupferadern
strömt, sollte die Datenübertragung mit Powerline
auf wesentlich höhere Trägerfrequenzen im
Megahertz-Bereich fließen. Dies aber brachte einen
äußerst unangenehmen Nebeneffekt mit sich:
Die Stromleitungen wurden zu Sendeantennen
deren Störfelder anderen Funkdiensten - Polizei-,
Militär- und Amateurfunk - in die Quere kamen.
Die Störfeld-Problematik führte dazu, dass
der Bundesrat erst im Frühjahr 2001 die gesetzlichen
Rahmenbedingungen für die kommerzielle Nutzung
der Powerline-Technologie festschrieb. Wichtigste Voraussetzung:
Andere Funkdienste
dürfen nicht gestört werden. Frei nach dem
Motto "Das Kabel darf nicht funken!" definierte
die damalige Regulierungsbehörde für Telekommunikation
und Post (RegTP) strikte Grenzwerte für erlaubte
Störfeldstärken in den (ab Juli 2001 gültigen)
Nutzungsbestimmung 30 (NB 30) und machte damit den Weg
für Powerline dann doch noch frei.
Der Stromriese E.ON, der im Jahr 2000 noch mit Planzahlen
von 50 000 Anschlüssen pro Monat gespielt hatte,
war aus Riege der Energieversorger mit Powerline-Ambitionen
der erste, der sich aus dem Geschäft verabschiedete.
Pünktlich zum Erlass der NB 30 im Juli 2001 hatte
RWE, der Energiekonzern mit Sitz in Essen, in Essen
und Mülheim/Ruhr hoffnungsfroh das Powerline-Zeitalter
eingeläutet. Die hochfliegenden Pläne erlitten
eine Bruchlandung, RWE hielt noch bis September 2002
durch und zog sich dann aus dem Abenteuer Powerline
zurück.
Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) testete
als Powerline-Pionier der ersten Stunde schon seit 1998
in mehreren Pilotprojekten die Praxistauglichkeit der
Technologie. Nachdem im Juli 2001 in Ellwangen das kommerzielle
Powerline-Angebot bei den Stromkunden der EnBW Ostwürttemberg
DonauRies AG gestartet und im Mai 2002 der Ausbau der
Powerline-Infrastruktur abgeschlossen war, wurden alle
expansiven Aktivitäten auf Eis gelegt.
Unangefochtener Powerline-Spitzenreiter ist der Mannheimer
Energieversorger MVV Energie AG. Die MVV-Telekommunikationstochter
MAnet führte am 1. Juli 2001 unter dem Produktnamen
Vype das Internet via Powerline in der kurpfälzischen
Quadratestadt ein und ist mit etwa 85 000 erschlossenen
Haushalten - noch 2004 soll das Stadtgebiet mit 125
000 Anschlüssen flächendeckend versorgt sein
- die weltweite Nummer Eins in Sachen Powerline.
Doch auch in Mannheim liefen die Geschäfte nicht
zum Besten. Nachdem bis Anfang 2004 nur 4 500 zahlende
Kunden gewonnen werden konnten, übergab die MVV
das Powerline-Geschäft an die Tochterfirma PPC
(Power PLUS Communications AG).
Teilweise wurden Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe
getätigt um dann letztlich feststellen zu müssen,
die Übermittlung von Internet-Daten zum privaten
Endkunden war zwar möglich, aber nicht störungsfrei.
Die Stromleitungen der Energieversorger sind nicht ausreichend
abgeschirmt, um eine störungsfreie Datenübermittlung
zu gewährleisten. Außerdem konnte die Datensicherheit
nicht zu 100 Prozent gewährleistet werden.
Es gibt zwar Dienstleistleister die Daten über
das Stromnetz liefern, doch hierbei handelt es sich
zumeist um Business-Informationen, deren Übermittlung
nicht kritisch ist. Powerline steht allerdings immer
noch für Internet aus der Steckdose. Es gibt Dienstleister
die Internet aus der Steckdose anbieten. Allerdings
funktioniert Powerline hierbei nur innerhalb der eigenen
Wohnung.
Konkret heißt das, der Kunde hat einen Internet-Zugang
via DSL, Kabel, Satellit oder vielleicht auch WiMAX
und nutzt dann einen speziellen Powerline-Adapter, der
die Internet-Daten von der TAE-Steckdose in die hausinterne
Stromleitung bringt und dann ist es tatsächlich
möglich, von jeder Steckdose des Hauses oder der
Wohnung ins Internet zu gehen. Inwieweit eine derartige
Möglichkeit auch für Sie in Frage kommt, sollten
Sie selber recherchieren. Die meisten werden wohl zu
dem Schluss kommen, dass ein ganz normaler DSL-Anschluss
vollkommen ausreichend ist, weil der WLAN-Router das
Internet ebenfalls kabellos in jeden Raum der Wohnung
bringt.
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